Gefällt mir … nicht ?

by on Sep.25, 2010 in Allgemein

facebook like buttonFacebook ist für mich in etwa das Internet-Äquivalent zum Früh-Aufstehen. Ich mache es fast schon gezwungenermaßen, aber ich kanns nicht ausstehen. Abgesehen vom unsäglich unübersichtlichen Benutzer-Interface ist für mich Hackfressenbuchs Dasein als Datenkrake der Hauptgrund für diese Antipathie. Natürlich leben die meisten Internetdienste vom Datensammeln und das „Sich-über-google-Aufregen“ ist Volkssport Nr.1 bei Zusammenkünften jeder Art; vielleicht sollte Godwin’s law mal in dieser Richtung erweitert werden. Im Internet artet jede Diskussion darin aus, dass einer der Diskussionsteilnehmer mit Adolf verglichen wird, normale online-Unterhaltungen befassen sich früher oder später mit pr0n und Gesprächsrunden im wirklichen Leben tendieren nach Δt 2h dazu in google den Teufel zu sehen; sei es aufgrund des Datensammelns allgemein oder nur weil die netten Datendiebe glauben, mal wieder mit Photo-Autos durch die Gegend fahren zu müssen.

Diese sich über googles Datensammelaktivitäten echauffierenden Mitmenschen kann man nun wiederum in drei Gruppen unterteilen:
     1. „Das Internet ist böse“
     2. „Internet ist toll, facebook großartig, google ist der Teufel“
     3. „Internet ist toll, facebook und google sind Ausgeburten der Hölle“
Mitglieder der zweiten Gruppierung sollten sich an dieser Stelle gleich mal Gedanken machen, was sie da für einen Müll von sich geben. Facebook ist schließlich in Bezug auf Datenzuordnung das, was google gerne wäre – oder auch nicht, da ich mir nicht sicher bin, ob google solche Machtphantasien hat. Hmm, streicht das, google-analytics existiert ja nur zu genau diesem Zweck.

Was hat das Ganze nun mit Facebook zu tun? Es ist nicht das Datensammeln an sich, es ist die Zuordenbarkeit dieser Daten. In dieser Hinsicht ist Facebook um den Phantasiefaktor x besser oder schlechter – je nach Sichtweise – als google. Was hat google normalerweise? Eine Suchanfrage mit IP und evtl. nochmals eine IP, wenn auf irgendeiner Website google-verteilte Werbung geladen wird. Was hat Facebook? Eine IP und wenn man eingeloggt ist oder war, Namen, Adresse, Telefonnummer, Freunde, Interessen, usw. dazu. Recht frappierender Unterschied, oder nicht? „Ja schon, aber dazu muss man eingeloggt sein und irgendwas machen, oder nicht?“ Nein, muss man nicht, im Grunde braucht man für viele dieser Informationen noch nichteinmal einen Facebook-Account.

Das große Geheimnis liegt in diesem Gefällt mir Button verborgen. Das ist nicht nur ein Bild mit einem Link. Dieses Element wird über das <iframe>-Tag direkt von Facebook geladen und zwar auch nicht nur ein Bild. Ohne jetzt zu sehr ins Detail gehen zu wollen, wird durch dieses html-Tag eine fremde Website geladen und dargestellt, in diesem Fall eine kleine Seite von Facebook. Ohne diesen Button überhaupt klicken zu müssen, weiß Facebook also schon, dass ihr gerade auf der Homepage seid, die diesen Button enthält. Habt ihr noch ein Facebook-Cookie im Speicher oder seid gar eingeloggt, weiß Facebook auch schon, wer ihr seid. Für alles andere, wird eben erst einmal die IP gespeichert, so lange sie noch nicht zugeordnet werden kann. Aber das kann sie, sobald ihr einmal ein Profil auf Facebook angeschaut habt, weil dann habt ihr den Cookie. Facebook ist also in der Lage selbst ohne genaue Daten den Computer identifizieren und das Surfverhalten nachvollziehen.

Facebook kennt euch also schon ziemlich genau, auch wenn ihr dort nicht angemeldet seid. Es kennt die Webseiten auf denen ihr surft, falls diese den „Gefällt mir“ Button haben und es kennt eure Freunde, wenn ihr deren öffentliche Profile betrachtet. Interessanterweise ist es übrigens in Deutschland verboten personenbezogene Daten zu erheben ohne die Einverständniserklärung des Nutzers zu haben, falls ihr einen Facebook-Account habt, seid ihr also schonmal gefickt, weil dann habt ihr dem schon zugestimmt. Aber nicht nur für die nichtsahnenden Internetuser birgt dieser Button potentiell die Gefahr des Datenmißbrauchs, sondern auch für den Betreiber einer Website, der diesen Button einbindet. Was erfährt facebook alles?

  • - Zahl der Seitenabrufe
  • - Zahl der Besucher
  • - Besuchsverlauf pro Besucher
  • - Regionale Herkunft nach Land, Stadt oder Landkreis
  • - IP-Nummern der Besucher
  • - Browserversion und Betriebssystem
  • - Herkunft der Besucher (Referrer), wenn sie einem Link gefolgt sind
  • - Bildschirmauflösung
  • - Installierte Plugins wie Flash oder Adobe Reader
  •       (via literaturcafe.de)

Erschreckend, oder? Dieser Button ist nicht umsonst der Schlüssel hinter Facebooks Erfolg und zwar gleich in mehrfacher Hinsicht:

Zum einen werden neue User zu Facebook gelotst, schliesslich erscheint jedesmal das Einlogg-Fenster, falls man so wenig Gehirnmasse hat, auf diesen Button zu klicken. Dort sieht man dann netterweise gleich auch noch, wer aus dem Freundeskreis schon auf Facebook ist. Woher die das wissen? Ihr habt doch selbst mal deren Profil aufgerufen und die Profile sind untereinander verlinkt und etliche User sind dumm genug – mir fällt leider kein anderes Wort dafür ein – ihr diversen eMails-Account mit Facebook zu verknüpfen, also sind alle mit denen sie jemals eMail-Kontakt hatten in Facebook gespeichert.

Zum anderen ist Facebook natürlich somit der Liebling der Werbetreibenden, wer sonst hat wirklich alle Information über die einzelnen User? Richtig, niemand, nicht einmal das große böse google (noch).

Mehr Informationen darüber, was der Button alles macht inklusive eventueller Gefahren und ob es in Deutschland überhaupt rechtens ist, diesen einzusetzen:
Totalüberwachung: Welche Gefahren der »Gefällt mir«-Button von Facebook birgt (via literaturcafe.de)

Glücklicherweise ist es aber nun zumindest für FireFox-User mit Hilfe von Adblock Plus sehr einfach dieser grenzlegalen Datenkollekte zu entgehen. Wie gut Adblock for Chrome funktioniert, kann ich leider nicht sagen, dürfte aber den gleichen Funktionsumfang bieten. Wer dieses Add-On noch nicht installiert hat, sollte das schleunigst nachholen. Werbung verursacht den meisten Traffic beim Surfen, was Flat-Rate-Benutzern zwar prinzipiell egal sein könnte, Webseiten aber furchtbar langsam macht. Ausserdem erhält so die Werbeindustrie keine Daten über mein Surfverhalten, da die Werbung nicht nur nicht angezeigt wird, sondern gleich von vorneherein nicht lädt.

Damit nun der „Gefällt mir“ Button nicht mehr geladen wird, einfach die Einstellungen von AdBlock aufrufen, auf „Filter hinzufügen …“ klicken und folgende Zeile eintragen:

 
        |http://www.facebook.com/plugins/like.php?*
 

Ab jetzt heißt es „Gefällt mir“-freies Surfen und facebook weiß auch nicht mehr, was ich nicht selbst dort erzähle. Es sich zusammenfassen läßt zu: fast gar nix, weil das geht die nix an ;) So blauäugig zu glauben, dass die nicht mehr von mir wissen, als ich denke, bin ich dann aber auch wieder nicht …

Mehr zum Thema „Facebook blocken“: Facebooks Like-Button blocken (via 321tux.de)

Bevor sich jemand beschwert, dass ich doch unter jedem Beitrag selbst einen Facebook-Button habe:
Das ist tatsächlich nur ein Button. Die Grafik dazu liegt auf meinem Webspace und den Link kann sich jeder anschauen, der führt nur auf die „share“-Unterseite von Facebook. Solange man nicht klickt, passiert also gar nichts. Wäre aber auch kontraproduktiv, eine Verlinkung meines Blogs nicht zuzulassen, sonst liest meinen Gedankenschrott doch nie jemand ;)

xoxo, Serena Fate

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